Selene in Japan

Ein Jahr im Land der aufgehenden Sonne
 

Letztes Feedback

Meta





 

Archiv

Schulfeste

Es gibt im Laufe eines Schuljahres mehrere Schulfeste, die - für mich - echt beeindruckend sind. Ich habe bis jetzt das große Schul- oder auch Kulturfest und ein Sportfest erlebt. Die Hälfte der Zeit stehe ich nur staunend da und versuche so viele Fotos wie möglich zu machen, um ja nichts zu vergessen. Das Schulfest geht über zwei Tage und ist für die Öffentlichkeit zugänglich, da kommen dann locker über 1.000 Leute! (Stände und das Publikum vor der einen Bühne. Es war noch leer!) Jede Klasse und jeder Club macht irgendeine Aktion und nur für dieses Fest bilden sich noch viele kleine andere Gruppen. Es gibt ganz viel zu essen, dann natürlich von den Schülern hergestellte Sachen zu kaufen und zu sehen. Die Clubs haben Aufführungen an insgesamt vier Plätzen und es ist ein einziges großes Trubeln! Teilweise war ich aber auch einfach nur von dem vielen Lärm und Farben und Eindrücken überfordert. Der Abschlussjahrgang nutzt das Schulfest um sich ein wenig zu verabschieden und hat eine halbstündige Tanzaufführung. Dort treten sogar die Lehrer mit auf, besonders witzig finden natürlich alle die männlichen Lehrer als Frauen zu verkleiden. Und die Lehrer machen alle (begeistert?) mit! Das war echt beeindruckend und witzig! (Hier ein Beispiel, die Person in der Mitte ist einer unserer Lehrer. Mal ernsthaft, würde das in Deutschland jemand mitmachen?! ) Das Sportfest ist nur für die Schüler, aber Eltern sind zum Gucken eingeladen. Jeder Jahrgang hat bei uns vier Klassen, die mit A, B, C und D bezeichnet sind. Bei dem Sportfest treten dann also vier Gruppen gegeneinander an. Alle A-Klassen sind eine Gruppe, alle B-Klassen und so weiter. Jede Gruppe hat eine Farbe und feuert sich gegenseitig ganz doll an. Dann gibt es diverse Wettkämpfe. Die werden jedoch nicht immer von allen gemacht, sondern nach den Jahrgängen aufgeteilt. Da sind Wettkämpfe dabei, von denen ich noch nie gehört habe. Teilweise war ich auch ein wenig erschrocken, weil es doch sehr hart zuging. (Bei dem Wettkampf treten zwei Teams gegeneinander an. Das Ziel ist es, das Band von den Stange des anderen Teams zu bekommen. Die Hälfte des Teams arbeitet daran und die andere beschützt ihre eigene Stange.) Aber es war insgesamt ein großer Spaß. Alle feuern sich immer gegenseitig an, es gibt eine Cheerleader-Aufführung und es ist ein tolles Gruppengefühl. Jeder muss bei etwas mitmachen und alle geben ihr Bestes. (Die Cheerleader-Aufführung für meine Gruppe. Im Hintergrund sieht man die B-Klassen, die die Farbe Gelb haben.)

1 Kommentar 3.11.14 04:48, kommentieren

Das japanische Haus

Hallo ihr Lieben, nachdem ich euch lange habe warten lassen, in letzter Zeit mal wieder ein paar mehr Einträge Und zwar dieses Mal über das japanische Haus, das sich doch in mehreren Aspekten von dem deutschen, bzw. westlichen unterscheidet. In Japan gibt es bekanntlich viele Menschen, die alle einen Platz zum Leben brauchen. Daher sind Grundstücke teuer, was dazu führt, dass die Grundfläche der Häuser häufig klein ist und man dafür halt in die Höhe baut. Ich bin letztens an neu gebauten Häusern vorbeigefahren, die zwar drei Stockwerke hatten, aber wo ein Stockwerk maximal zwei Zimmer fassen konnte! Geht in ein japanisches Haus ist das Erst was man sieht, der "genkan", also der Eingangsbereich. Das bedeutet, vor der kleinen Stufe Schuhe ausziehen! Und zwar immer und egal, ob man nur mal kurz was holen möchte. Sogar vor Umkleidekabinen in Kaufhäusern zieht man die Schuhe aus. Noch sehr erwähnenswert ist: Das Bad. In Japan verdient das Bad wirklich den Namen BadeZIMMER. Denn es ist hier nicht wie in Deutschland, wo im Bad Toilette, Waschbecken, Dusche und ggf. eine Badewanne ist. Die Toilette ist immer in einem separaten Raum und dann gibt es das Bad, was ein Raum ist, der im Grunde wie eine Nasszelle ist. Dort ist die Badewanne und dort ist ein Duschkopf. Allerdings vor der Wann und der ganze Raum ist so gebaut, dass man ordentlich Platz hat und alles nass werden darf. Vor diesem Bad ist ein kleinerer Raum, in dem ein Waschbecken ist und in dem man sich umzieht und so weiter. Außerdem gibt es häufig (nicht in allen Häusern) ein typisch traditionell-japanisches Zimmer, ausgelegt mit sogenannten Tatami-Matten, welche aus Reisstroh hergestellt werden. Meine jetzige Familie hat sogar zwei solcher Zimmer, in dem einen essen wir immer zu Abend und in dem anderen schlafen zwei meiner Gastgeschwister auf Futons, traditionellen Matratzen, die einfach auf den Boden gelegt werden. Mein momentanes Haus ist generell eher traditionell japanisch. Das bedeutet auch, es gibt so gut wie gar keine Türen, mein "Zimmer" ist fast ausschließlich durch Vorhänge von denen meiner Geschwister getrennt. Das kommt dadurch, dass die Sommer in Japan sehr heiß und schwül sind. Bei einem so offen gebauten Haus, kann die Luft im ganzen Haus zirkulieren und so besser für Abkühlung sorgen. Aber dafür - und das war in allen Häusern meiner Gastfamilien gleich - gibt es keine Heizungen. Das ist in Japan bis auf den Norden, wo es wirklich kalt wird, überall so. Unvorstellbar für uns Deutsche! Da heißt es bei momentan ca. 8°C warm anziehen! Inzwischen haben wir aber schon zwei Heizstrahler herausgeholt. Außerdem gibt es in Japan einen ganz besonderen Tisch, der unter der Tischplatte einen Heizstrahler hat. Darauf wird dann eine große dicke Decke gelegt und darauf eine weiter Platte. So sitzen dann alle um den Tisch und die Beine und Füße werden wunderbar warm! Heizstrahler und dieser Tisch ("kotatsu") werden übrigens mit Gas betrieben. Auch Herd und Ofen werden üblicherweise mit Gas betrieben. So etwas wie einen Elektroherd gibt es gar nicht. Meine Gastmutter hat mir erzählt, dass manchmal sogar der komplette Strom für einen bestimmten Distrikt für ungefähr vier Stunden abgestellt wird, weil es nicht genug gibt. Nach dem Unglück bei Fukushima fehlte auf einmal ein wichtiges Energiekraftwerk und andere konnten nicht so schnell aufgestockt oder neu gebaut werden. Da bemerkt man noch ganz andere Folgen, die so eine Katastrophe auslösen, welche von denen man in Deutschland eher nichts hört. Aber so weit erstmal zum japanisches Haus

23.11.14 04:56, kommentieren

Clubaktivität

Jede Schülerin ist in einem Club, so etwas wie eine AG. Allerdings ist das hier weitaus "ernster". Diese Clubs ersetzen deutsche Vereine, Musikschulen und ähnliches. Ich habe z.B. jeden Schultag zwei Stunden und am Samstag vier Stunden lang Probe meines Blasorchesters. Natürlich ist jeder Club, in dem was dort gemacht wird anders. Es gibt Sportclubs, wie Basket- & Volleyball oder Tennis, aber auch im kulturellen Bereich gibt es einiges, wie Theater, Kunst und diverse Musikclubs. Außerdem noch schulbezogene Clubs, die z.B. für die Organisation der Schulfeste, Gottesdienste und ähnlichem verantwortlich sind. Allerdings gibt es bezogen aus die Hierarchie innerhalb der Clubs viele Gemeinsamkeiten, die für mich sehr befremdlich sind. Eigentlich ist das System aber ziemlich einfach: je höher die Klassenstufe, desto höher die Position. Meine Schule ist sowohl Junior, als auch Senior Highschool und hat somit sechs Jahrgänge. Das japanische Schulsystem besteht aus sechs Jahren Grundschule und jeweils drei Jahren Junior und Senior Highschool. Allerdings tritt man in der Mitte des Senior zwei Jahres aus den Clubs aus, da es dann schon heißt, für die Abschlussprüfungen zu lernen. Ich bin im Senior 1 und damit "ganz oben" in der Rangordnung. Für alle Schüler meines Clubs bin ich damit "Senpai". Das ist ein Titel, der Respekt für Höhergestellte ausdrückt. Wann immer man einen seiner Senpais sieht, grüßt man man ihn - natürlich verbunden mit einer kleinen Verbeugung. Die Junior 1 Schülerinnen haben demnach am meisten zu tun. Für sie sind alle höheren Jahrgänge Senpais. Auch Aufgaben innerhalb des Clubs sind klar unterteilt. So werden bei mir im Blasorchester z.B. die Mappen mit den Noten fürs gemeinsame Aufwärmen zu Beginn von Junior 1 Schülerinnen verteilt und am Ende wieder eingesammelt. Da kann man sich als Senior 1 - wie ich es bin - echt ins gemachte Nest setzen. Dafür sind wie für die Organisation und auch Werbung unserer Konzerte und Auftritte (mit)verantwortlich. Was ich jedoch schon sehr seltsam finde: am Ende unserer Probe, wenn der Raum schon aufgeräumt ist und alles, stellen sich die Junior 1 Schülerinnen im Raum auf und warten da so lange, bis ihnen gesagt wird, dass sie nach Hause gehen dürfen! Japan ist halt echt anders!

2 Kommentare 29.11.14 13:34, kommentieren