Selene in Japan

Ein Jahr im Land der aufgehenden Sonne
 

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Über meinen Alltag und Bahnfahren

Hallo meine Lieben, endlich mal wieder ein Beitrag. Entschuldigt, dass ich euch habe so lange warten lassen! In letzter Zeit ist nur nicht so viel Neues passiert, es herrscht Alltag. Alltag heißt für mich momentan um 5:40 Uhr aufstehen, um zusammen mit der Gastschwester, auf deren Schule ich gehe, um 6:15 Uhr zur U-Bahnstation zu laufen. Das dauert ungefähr 20 bis 25 Minuten. Es fährt zwar auch ein Bus, aber anders als in Deutschland muss man die Fahrkarten selber kaufen und bekommt sie nicht von der Schule, bzw. der Regierung gestellt. Bei den langen Schulwegen und japanischen Ticketpreisen ist das aber auch verständlich. Ich bezahle für ein Monatsticket ungefähr 50 Euro. Und das beinhaltet nur genau die Linie und Strecke, die ich bis zur Schule fahre. Also nicht wie in Deutschland einen Bereich oder eine Zone. Aber dafür ist das japanische System Fahrkarten zu kontrollieren wirklich praktisch und effizient. An Ein- und Ausgängen jedes Bahnhofes oder Station gibt es "Ticketschleusen". Dort tut man seine Fahrkarte rein oder hält eine Art IC-Karte, die man mit Guthaben aufladen kann (so etwas besitzt die Mehrheit der Japaner, ich auch), auf einen Scanner und dann öffnet sich das Tor und man kann durchgehen. Seine Fahrkarte kommt am anderen Ende wieder raus, man sollte sie nicht vergessen, die braucht man später noch. Dann fährt man mit dem Zug oder der Bahn wohin man möchte und beim Verlassen des Bahnhofes passiert wieder die gleiche Prozedur. Dabei wird dann der entsprechende Betrag vom Guthaben abgezogen, bzw. das Ticket gecheckt. Reicht der Betrag nicht aus, schließt sich das Tor und man kann nicht hindurch. Man sieht sich dann allerdings nicht mit einer hohen Strafgebühr konfrontiert, sondern zahlt einfach nur den fehlenden Betrag nach. Und schon kann man wieder durch das Tor. Das führt dazu, dass Schwarzfahren im Grunde genommen nicht möglich ist und man keine Fahrkartenkontrolleure braucht, die sich durch volle Züge zwängen müssen. Bei Bussen ist das übrigens gleich, beim Einsteigen zeigt man nicht seine Fahrkarte vor, wie bei uns, sondern lässt sie scannen. Ich fahre 25 Minuten mit der U-Bahn und laufe von der Station knapp 15 Minuten zu meiner Schule. Inzwischen kann auch ich relativ gut in der Bahn schlafen, oder eher dösen. Allerdings stimmt es nicht, dass die Japaner sich an andere (fremde) Leute anlehnen oder sogar ihren Kopf auf deren Schulter legen. So weit wie irgendwie möglich, wird jeder Körperkontakt zu Fremden vermieden. Wenn es jedoch darum geht, doch noch in die Bahn zu passen, wird geschoben und gedrängelt, bis alle drin sind. Denn da stimmt das Vorurteil, bzw. die Annahme. Japans Züge sind voll!!! Ich fahre mit einer Linie, die nicht zu überfüllt ist, das ist noch im Rahmen. Aber meine Gastmutter hat mir von Bahnen erzählt, in denen man alle Sitze hochklappen kann, damit noch mehr Leute reinpassen! Ich habe Schule von 8:15 Uhr bis 15:00 Uhr. Inzwischen verstehe ich schon deutlich mehr vom Unterricht, aber natürlich längst nicht alles. Doch da ich keine Noten oder so brauche, kann ich das ganz entspannt angehen und muss auch viele Test nicht mitschreiben. Ich nutze die Zeit dann häufig um Japanisch, oder genauer die komplizierten Schriftzeichen "Kanjii" zu lernen oder auch damit, Berichte wie diesen zu schreiben. Nach dem Unterricht habe ich normalerweise von 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr Clubaktivität. Ich habe schon geschrieben, dass ich im Blasorchester bin, allerdings nehme ich jetzt auch einmal pro Woche am Badminton-Club teil. Wobei das aber nur geht, weil ich Austauschschülerin bin. Normalerweise ist man von der Mittelschule, also der 7. Klasse an bis zum Abschluss im gleichen Club. Mein einer Lehrer hat mir das mal so erklärt, dass in Europa jemand als "Champion" gilt, der vieles sehr gut kann. In Japan hingegen gilt jemand als "Champion", der zwar nur eine Sache, die dafür aber perfekt beherrscht. Nach dem Club geht es den gleichen Weg wieder zurück und so komme ich gegen 19 Uhr wieder zu Hause an. Das Erste was ich dort mache, ist meine Schuluniform aus- und bequemere Kleidung anzuziehen. Gegen halb Acht essen wir üblicherweise zu Abend. So gegen halb Zehn gehe ich ins Bad, also zuerst duschen und danach meistens in die heiße Wanne. Ich versuche, um Zehn Uhr im Bett zu sein, aber das klappt natürlich nicht immer Am nächsten Tag das Gleiche. Momentan habe ich nicht jeden Samstag Blasorchesterprobe, aber vorm nächsten Konzert im April wird sich das auch wieder häufen und von drei Stunden Probe auf sechs Stunden erweitern. Aber natürlich ist nicht jeder Schulalltag gleich. So hatten wir heute eine Sicherheitsübung für den Fall, dass jemand Kriminelles in unsere Schule kommt. Da wurde eine Warnung über die Lautsprecheranlage, die in jedem Raum installiert ist, durchgesagt, woraufhin innerhalb weniger Minuten alle ins nächste Klassenzimmer gegangen sind, die Türen verriegelt , die Vorhänge geschlossen und sich auf den Boden an eine Wand gesetzt haben. Nur ist es leider nicht so, dass die dafür aufgewandte Zeit von der Unterrichtszeit abgezogen wird, sondern hinten drangehängt. Dementsprechend war halt erst um 15:35 Uhr Schulschluss. Das ist Japan!

1 Kommentar 10.2.15 15:27, kommentieren