Selene in Japan

Ein Jahr im Land der aufgehenden Sonne
 

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Valentinstag

Valentinstag in Japan ist anders als in Deutschland. Bei uns ist das ja eher ein Fest für Paare und selbst das gilt nicht für alle. Man schenkt sich was oder unternimmt etwas zusammen. Nun die Japaner lieben Süßigkeiten. Allerdings - so habe ich zumindest das Gefühl - brauchen sie einen Anlass, um welche zu essen. Das scheint mir auch der Grund, warum die Japaner alle diese westlichen Feiertage auf ihre eigene Art und Weise interpretieren. Sie sind für sie ein Anlass Süßigkeiten zu essen! Und da ist es auch relativ egal, ob das Weihnachten, Halloween oder eben Valentinstag ist. Nur der Valentinstag ist noch ein bisschen anders. Denn da wird selber gebacken! Aber: am Valentinstag verteilen nur die Mädchen Süßigkeiten! Denn einen Monat später, also am 14. März, gibt es den White Day, an dem sich Japans männliche Bevölkerung revanchieren kann. Doch man gibt nicht nur seinem Partner etwas, nein es gibt drei verschiedene Arten: die Liebesschokolade, die man seinem Partner gibt; die Freundesschokolade, die an männliche und weibliche Freunde verteilt wird; und schließlich die Pflichtgefühlsschokolade, an z.B. Kollegen. Ihr merkt: Valentinstag in Japan ist gar nicht so einfach Ich habe auch ganz viel Schokolade und Brownies und so etwas bekommen. Da bringt dann jeder seine Sachen in die Schule mit und es wird getauscht und verteilt. Als ich einer Klassenkameradin erzählt habe, dass der Valentinstag in Deutschland hauptsächlich Paare betrifft, meinte sie nur:"Das ist ja traurig" Da musste ich innerlich total schmunzeln, hatte ich doch das Gefühl in Japan ist es viel zu groß und überladen und manchmal schon fast albern. Meine Gastschwester hat mich mal gefragt, wie es denn sein kann, dass die Deutschen so viel Süßigkeiten, bzw. Schokolade essen, wenn es bei uns diese Feiertage so gar nicht gibt. Ich glaube, wir essen einfach häufiger und sozusagen ohne "besonderen Grund" Süßes und verteilen es auch einfach so an unsere Freunde (auch ohne eine Rückleistung zu erwarten), statt uns auf diese Tage zu konzentrieren. Das fand ich alles auf jeden Fall auch sehr interessant. Man lernt nicht nur über das neue, fremde Land ganz viel, sondern auch über sein eigenes! (Ein paar der Süßigkeiten, die ich bekommen habe. Alles immer hübsch verpackt.)

1 Kommentar 1.3.15 08:52, kommentieren

Japanisches Pflichtbewusstsein

Es heißt ja immer, die Deutschen seien so pflichtbewusst und ich dachte (zumindest was mich angeht) trifft das auch weitgehend zu. Aber hier in Japan erlebe ich immer wieder Verhaltensweisen, die das alles in den Schatten stellen. So doll, dass ich manchmal das starke Bedürfnis habe, "dazwischen zu funken". Ein Beispiel, dass ich häufig erlebe, kommt aus den Blasorchesterproben. Offiziell geht die Probe von 16 Uhr bis 18 Uhr (von November bis einschließlich Februar nur bis 17:30 Uhr). Aber auch schon um 15:40 Uhr sind fast alle da und spielen. Es heißt auch, es reicht wenn man dreimal pro Woche kommt, aber es sind trotzdem immer fast alle da. Aus Deutschland kenne ich es so, dass man ca. eine Viertelstunde vor Probenbeginn da ist, um in Ruhe Notenständer aufzubauen, Instrument auszupacken und ähnliches. Außerdem schadet ein bisschen einspielen nicht. Hier jedoch spielen wirklich alle schon so zwanzig Minuten vorher. Und das, obwohl wir alle zusammen ein Aufwärmprogramm von ungefähr vierzig Minuten spielen! Zudem ist es, weil alle durcheinander spielen, so dermaßen laut, dass ich regelmäßig meine Kopfhörer als Ohrstöpsel benutze, da ich ansonsten das Gefühl habe, meine Hörfähigkeit leidet. Ich frage mich immer, ob die anderen damit kein Problem haben. Fängt das gemeinsame Aufwärmen an, ist wenigstens das vorbei. Doch wir spielen jedesmal das gleiche Programm. Jedes Mal. Und darin ist zum Beispiel eine Übung gehalten, die wir fünfmal hintereinander spielen. Von Abwechslung ist da nicht viel (bis gar nichts) zu spüren! Ich bin schon immer am Überlegen, ob ich nicht irgendeine Ausrede finden kann (wie:"Meine Ventile sind echt schwerfällig, die müssen jetzt sofort geölt werden"), um dem Ganzen zu "entfliehen". Wäre das Deutschland, hätte schon längst jemand dem Dirigenten geflüstert - oder es ihm vor allen gesagt -, dass das so keinen Spaß macht und ein wenig Variation gar nicht schlecht ist. Aber das passiert nicht in Japan. Hier spielen alle brav ihr Programm, jedes Mal wieder, egal wie häufig. Und man sieht nicht eine angenervte Miene! Nur zur Erinnerung: ich spreche von Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren, also mitten in der Pubertät! Aber nicht nur während der offiziellen Probezeiten ist das so, auch vor der Schule, in der Mittagspause und an schulfreien Tagen wird geprobt! Meine Gastschwester ist im Basketballclub, der ein ähnlich hartes Programm hat. Immer mal wieder meint sie, sie hätte gern mehr Freizeit, um mal ins Kino oder shoppen zu gehen. Aber sie hat Club. Punkt. Da gibt es nichts zu diskutieren. Manchmal wenn ich (natürlich nur scherzhaft) vorschlage, sie solle doch einfach mal nicht hingehen und sich Zeit nehmen, meint sie nur:"Das geht nicht." Da gibt es keine weitere Begründung, das geht halt einfach nicht. Da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln! Aber nicht nur die Schüler, auch die Lehrer sind so. Als ich erzählt habe, meine Mutter sei Lehrerin und somit hatte sie mit uns Kindern zusammen Ferien, hat mich meine Gastmutter ganz erstaunt angeguckt. Denn auch wenn Ferien sind, sind die Lehrer in der Schule und arbeiten. Was genau weiß ich allerdings auch nicht... Aber die Hälfte der Schüler sind ja auch in der Schule. So haben wir eigentlich vom 16. bis zum 31. März Frühjahrsferien, da in Japan ja im April ein neues Schuljahr anfängt. Doch auch in der Zeit habe ich einschließlich der Sonntage nur an drei Tagen keine Probe. Naja, aber wenigstens sind die vormittags, sodass ich ab ungefähr 13 Uhr frei habe. Aber bei mir gelten sowieso ein bisschen andere Regeln. Wenn ich mal nicht zum Club gehe, weil ich zum Beispiel etwas mit Freunden unternehmen möchte, ist das auch in Ordnung. Um ehrlich zu sein, würde ich mir das auch nicht nehmen lassen (PS.: Ich war mir nicht ganz sicher, ob "Pflichtbewusstsein" das passendste Wort war, aber ich denke, ihr versteht mich.)

3 Kommentare 4.3.15 10:53, kommentieren

Puppenfest - Hinamatsuri

Endlich mal wieder ein Beitrag mit ein paar Bildern! Und zwar über das Puppen- oder auch Mädchen fest Hinamatsuri ひな祭り , welches wirklich beeindruckend ist! Das eigentliche Fest ist am 3. März, aber schon so ab Mitte Februar stellt man eine Art Treppenaufbau auf. Dieser Aufbau ist auch das wichtigste am ganzen Fest. Traditionell besteht er aus sieben Stufen, auf die die Puppen gestellt werden. Ursprünglich tragen diese Stoffe, mit Mustern aus der Heian-Periode, aber heutzutage gibt es auch moderne Stoffe. Auf der obersten Stufe ist das Kaiserpaar zu sehen. Der Kaiser trägt ein Schwert und die Kaiserin einen Fächer. Hinter ihnen ist ein goldener Wandschirm, zu dem rechts und links kleine Lampen stehen. Auf der nächsten Stufe sind drei Hofdamen, die jeweils sake(Reiswein)-Gerätschaften halten. Auf der dritten Stufe sitzen und stehen fünf Musiker mit traditionellen Instrumenten. Der eine Musiker hat kein Instrument, weil er der Sänger ist, dafür hält er einen Fächer. Es gibt drei Trommler und einen Flötisten. Auf der nächsten Stufe sind außen zwei Wächter, manchmal werden sie auch als Minister bezeichnet. Zwischen ihnen sind zwei kleine Tische mit Reisschalen. Direkt unter ihnen, also auf der fünften Stufe sind ein Orangen- und ein Kirschbaum. Außerdem noch drei Diener oder auch Samurai. Auf den untersten beiden Stufen sind Möbel, Gerätschaften und Wägen. Dabei sind die Sachen, die man im Palast benutzt auf der sechsten, und die, die die man außerhalb benutzt auf der siebten Stufe. So sind auf der sechsten Stufe zum Beispiel Truhen für Kimonos, eine Truhe für andere Kleidung mit einem Spiegel und Utensilien für die Teezeremonie. Auf der untersten Stufe sind dagegen zum Beispiel eine Sänfte, Lackboxen für Essen und ein von einem Ochsen gezogenen Wagen. Jede Familie, die eine Tochter hat, sollte mindestens das Kaiserpaar als Puppen haben. Da meine Gastfamilie zwei Töchter hat, haben wir zusätzlich zu dem großen Aufbau noch ein Kaiserpaar. Mit diesen Puppen wird um Glück und Schönheit für die Töchter gebeten. Ich habe gelesen, dass kommt von dem Brauch, Puppen auf Boote zu setzen und sie einen Fluss runterfahren zu lassen. Dabei sollen sie alles Böse mit sich nehmen. Was ich auch ganz spannend fand: man stellt die Puppen an einem sonnigen Tag auf und baut sie auch erst an einem schönen Tag wieder ab. Wenn sie deswegen noch nach dem 3. März da sind, muss man allerdings das Kaiserpaar umdrehen, sodass diese mit dem Rücken zu einem sitzen. Andernfalls heiratet die Tochter nicht! Außerdem gibt es noch Süßigkeiten und ganz viel andere Sachen mit Hinamatasuri-Motiven. Wir haben ganz süß aus Reiß, Omelett und anderem am 3. März unser Abendessen als Puppen gestaltet.

1 Kommentar 9.3.15 09:51, kommentieren